Timing in der Kapitalanlage

Werte managen - Timing in der Kapitalanlage

Ein neues Jahr bietet auch in der Kapitalanlage einen Anlass, Reflektionen über die eigene Anlagestrategie anzustellen. In diesem Beitrag befassen wir uns mit Timing und Management in der Kapitalanlage und sehen uns an, wie Sie psychologische Fallstricke vermeiden und Ihr Portfolio vorausschauend gestalten.

Investieren im Bärenmarkt: Worauf kommt es an?

Sehen wir uns eingangs die Ausgangslage an: Das vergangene Jahr konfrontierte Anleger*innen mit zahlreichen Herausforderungen und geht – börsentechnisch betrachtet – als eines der schwierigsten in die Geschichte ein. Auf der einen Seite sahen sich Anleger*innen einer hohen Verunsicherung aufgrund einer angespannten Marktlage ausgesetzt. Durch die hohen Inflationszahlen begannen Ersparnisse zu schrumpfen und die Energiekrise machte Wachstumseintrübungen spürbar. Hohe Schwankungen sorgten für Unsicherheit. Bedingt durch diese Situation und in der Hoffnung auf das richtige Timing wurden Investments oftmals zurückgehalten.

In Zusammenhang mit dem Börsengeschehen spricht man häufig vom Bullen- bzw. Bärenmarkt. Während der Bullenmarkt für anhaltend steigende Kurse steht, bedeutet der Bärenmarkt genau das Gegenteil. Über einen längeren Zeitraum bewegen sich die Börsenkurse im Bärenmarkt nach unten und dementsprechend fallen auch die Erwartungen an die künftigen Entwicklungen pessimistisch aus. Laut einer gängigen Faustregel spricht man in diesem Zusammenhang von einem Kursabfall von 20 Prozent über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten.

 

Ein derartiges, volatiles Marktumfeld bietet am Kapitalmarkt vor allem für langfristig orientierte Anleger*innen entsprechende Chancen. Anders als in den letzten Jahren seit der Finanz- und Eurokrise bietet die veränderte Zinslandschaft zudem auch am Rentenmarkt wieder interessante Renditen. Der Kapitalmarkt spiegelt bekanntlich die Zukunftserwartungen wider – die Tiefstände am Aktienmarkt laufen den wirtschaftlichen Aktivitäten voraus.

 

“Out of crisis comes opportunity. You make most of your money in a bear market. You just don’t realize it at the time.”

– Shelby Davis

 

Jede Marktlage verlangt eine klare und gut definierte Strategie. Das obige Zitat des erfolgreichen Investors Shelby Davis unterstreicht, dass dieses Credo vor allem in schlechten Marktphasen noch mehr an Gewicht erhält. Denn wir neigen gerade dann zu irrationalem Handeln, wenn wir uns mit einer Verminderung unseres Vermögens auseinandersetzen müssen.

Planen Sie langfristig und dokumentieren Sie Änderungen

Überlegen Sie sich die für Sie richtige Perspektive und setzen Sie darauf Ihren langfristigen Fokus. Die Erstellung eines Investmentplans hilft in vielerlei Hinsicht: Sie definieren sich ein Ziel, legen eine Strategie fest und gehen auf die Suche nach den dafür am besten geeigneten Mitteln. Selbstredend können kurzfristige Anpassungen notwendig sein. Diese Änderungen und neuen Entscheidungen sollten laufend dokumentiert werden. Rücksetzer gehören, genauso wie im Idealfall langfristige Gewinne, zum Investieren dazu. Je länger der persönliche Anlagehorizont definiert wird, desto höhere Renditen erzielt werden. Der langfristige Trend folgt schließlich dem BIP-Wachstum und den Gewinnen der Unternehmen.

Die richtige Strategie, Ausdauer und viel Geduld sind entscheidend

Das eigene Handeln beim Investieren kann auf ein simples Fazit reduziert werden: Viel Geduld und Ausdauer zahlen sich aus. Wer eine klare Strategie definiert, diese langfristig verfolgt und sich am Ende treu bleibt, kann in der Regel höhere Renditen erzielen als jene Investor*innen, die laufend Änderungen anstreben und das richtige Timing für Ein- oder Ausstiege suchen. Wer sich allein darauf konzentriert, fordert das Glück heraus. Ein „glückliches Händchen“ gehört dazu, ohne Frage. Doch ein langfristiger Erfolg beruht in erster Linie auf einem eigenen, gut strukturierten Investmentplan.

 

Natürlich spielt unsere Psyche bei der Geldanlage eine nicht unwesentliche Rolle. Es ist wissenschaftlich belegt, dass ein Verlust subjektiv wahrgenommen mehr schmerzt, als ein Gewinn Freude bereitet. Ein Verlust von z. B. 100 Euro fühlt sich folglich für das Individuum als höhere Wertveränderung an als ein Gewinn in der gleichen Höhe. Dieser Umstand bewirkt in Anleger*innen mitunter irrationale und vorschnelle Überreaktionen an den Börsenplätzen oder aber es bewirkt, dass ein Investment gar nicht erst getätigt wird. Zahlreiche Meinungen und sogenannte Crash-Prophezeiungen von außen sorgen zusätzlich dafür, dass die eigene Unsicherheit zu falschen Entscheidungen führt.

Für Sie zusammengefasst

  • Wertpapierveranlagungen sind mit Schwankungen und schwierigen Marktphasen verbunden. Sie bieten keine Kapitalgarantie und können zu einem möglichen Vermögensverlust führen. Zudem können Wechselkursverluste möglich sein. Darin bieten sich allerdings auch Chancen.
  • Vor allem das vergangene Börsenjahr geht – zusammen mit einer historisch hohen Inflation oder der Energiekrise in die Geschichte ein.
  • Wichtig sind eine klar definierte Strategie, ein langfristiger Anlagehorizont und viel Geduld.
  • Um Risiken zu verteilen und mögliche Verluste auszugleichen, sollte ein Portfolio breit diversifiziert sein. Dabei ist es wichtig, sich über verschiedene Assetklassen, Regionen, Sektoren oder Währungen zu bewegen.
  • Professionelle Vermögensverwaltungen oder Fondspläne können geeignete Produktlösungen sein, um zum Beispiel in Tranchen zu investieren und so Marktmomente zu nutzen.

Achten Sie auf Diversifikation und Qualität

Setzen Sie nicht alles auf ein Pferd! Diese Grundregel sollte in allen Portfolios streng gepflegt werden. Ohne hier auf die Portfoliotheorie des Ökonomen und Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz konkret einzugehen, versteht es sich von selbst, dass eine hohe Vielfalt in der Kapitalanlage das Renditeniveau und die Stabilität eines Portfolios stärken können. Die Diversifizierung sollte dabei über verschiedene Assetklassen, Regionen, Währungen oder Branchen hinweg angestrebt werden.

 

Ein breit gestreutes Portfolio reduziert die Schwankungen von einzelnen Anlageklassen und sorgt für Stabilität. Am Beispiel eines Portfolios lässt sich das Ganze besser veranschaulichen. Ein Mix aus 52,5 % in Staats- und Unternehmensanleihen, 32,5 % Aktien aus Industrie- bzw. 5 % Schwellenländern und einer Beimischung von jeweils 5 % in Rohstoffe und alternative Investments konnte seit 2008 annualisierte Erträge von 3,57 % erzielen. Die Erträge der jeweiligen Assetklassen schwankten dabei deutlich. Erreichen die Anleihen seit 2008 jährlich eine Rendite von 1,73 %, liegen Aktien aus Industrieländern mit 7,8 % deutlich drüber. Der Rohstoffsektor hat sogar eine negative Jahresrendite von -1,54 %. Der Fokus sollte im Aktiensegment auf Qualitätsunternehmen liegen, denn in herausfordernden Markphasen können diese nachhaltiger bestehen. Dies kann etwa auf eine hohe Preisdurchsetzungsmacht, flexible Kostenstrukturen oder niedrige Eigenkapitalkosten zurückgeführt werden.

 

Seit der 2022 eingeläuteten Zinswende erleben wir eine Rückkehr attraktiver Renditen auch bei Anleihen. Auf die kommenden 10 bis 15 Jahre haben sich die Ertragschancen mittlerweile quasi verdoppelt. Selbst Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von bis zu 12 Monaten steuern heute wieder einen positiven Beitrag bei.

Was der Blick in die Vergangenheit uns zeigt

Eine Analyse zeigt die Häufigkeit von entsprechenden Verlusten an den Märkten. Aus der Historie zeigt sich, dass es etwa alle elf Monate zu einem Verlust von 10 % kommt, alle vier Jahre hingegen waren Rückgänge von 20 % zu beobachten. Dass die Börsen um 40 % fallen, erleben wir alle paar Jahrzehnte.

 

Sehen wir uns dies am Beispiel des S&P 500 Index an: Seit den 1990er Jahren hatte sich der US-Index – mit Ausnahme der Dotcom-Blase im Frühjahr 2000 – nach einer negativen Jahresperformance immer mit einer entsprechenden Erholung zurückgemeldet. Die Krise von 2000 führte dazu, dass in diesem und den zwei darauffolgenden Jahren das Kalenderjahr mit einer negativen Entwicklung beendet wurde. Diese Wertentwicklungen aus der Vergangenheit bieten allerdings keine Gewähr für künftige Ereignisse.

Informieren Sie sich über die für Sie passenden Produktlösungen

Wenn Sie ein Investment in von Ihnen selbst ausgewählten Wertpapiere anstreben und keine aktive Unterstützung bei Ihrer Anlage benötigen, reicht Ihnen in aller Regel ein einfaches Wertpapierdepot bei Ihrer Hausbank. Wenn es um das Timing geht, sollten Sie sich allerdings auch über Tranchen-Investments Gedanken machen. Professionelle Vermögensverwaltungen schnüren bei Bedarf individuelle Anlagelösungen und verwalten Ihr Vermögen anhand einer klaren Marktmeinung und Strategie.

 

Im kleinen Rahmen kann ein Fondsplan eine gute Option sein. Fondspläne eignen sich zum mittel- bis langfristigen Aufbau von Vermögen. Einsteiger*innen ins Wertpapiergeschäft bieten sie eine Gelegenheit, ein Gefühl für die Börsen und Märkte zu erhalten und Erfahrungen im Handel von Wertpapieren zu sammeln. Durch monatliche Fixbeträge kann so schrittweise und in wiederkehrenden Tranchen ein Vermögen aufgebaut werden.

Fazit: Das richtige Timing in der Veranlagung gibt es nicht. Aus diesem Grund sollten Investments immer mit einer gut durchdachten und an die eigenen Verhältnisse angepasste Anlagestrategie einhergehen. Wer viel Geduld und Zeit aufbringen kann und sich durch eine breite Streuung ein gut strukturiertes Portfolio aufbaut, erhöht die Chancen, gute Renditen zu erzielen. Fokussieren Sie sich auf Ihre Ziele und Bedürfnisse, verfolgen Sie eine Diversifikation und vertrauen Sie auch in Qualitätsunternehmen. Tranchen-Investments können ebenso einen positiven Effekt haben, vor allem in Phasen von Marktrücksetzern.

 

Quellen: FAZ; Flossbach von Storch; Kurier; Handelsblatt;

  • Die in diesem Beitrag verwendeten Fach- und Finanzbegriffe werden unter btv.at/glossar ausführlich erklärt.

    Bitte beachten Sie, dass Einschätzungen und Bewertungen die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt der Erstellung bzw. Ausarbeitung reflektieren und für die Richtigkeit und den Eintritt eines bestimmten Erfolgs keine Gewähr übernommen werden kann. Durch neue Entwicklungen oder kurzfristige Änderungen können diese Informationen daher bereits überholt sein. Bei diesen Informationen handelt es sich um keine individuelle Anlageempfehlung, kein Angebot zur Zeichnung bzw. zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Stand: 01/2023.