Waffenstillstand auf unbestimmte Zeit verlängert
Die Lage im Nahen Osten bleibt trotz der verlängerten Waffenruhe angespannt. Zwar gilt die Anfang April vereinbarte Feuerpause zwischen den USA und dem Iran weiterhin, doch wiederholte militärische Zwischenfälle verdeutlichen die fragile Situation. Insbesondere rund um die Straße von Hormus kommt es weiterhin zu Drohungen, Angriffen und Einschränkungen der Schifffahrt, wodurch die strategische Bedeutung dieser Schlüsselroute erneut in den Fokus rückt.
Auf diplomatischer Ebene werden die Gespräche zwar fortgesetzt, ein verbindlicher Durchbruch ist jedoch weiterhin nicht absehbar. Teheran hat den jüngsten US-Vorschlag für ein Kriegsende zurückgewiesen und einen eigenen Plan vorgelegt, der neben einem Ende der Kampfhandlungen unter anderem Sicherheitsgarantien, eine Lockerung der Sanktionen sowie eine stärkere Kontrolle Irans über Sicherheits- und Durchfahrtsregelungen in der Straße von Hormus vorsieht. Washington bezeichnete die iranische Antwort als unzureichend. US-Präsident Trump verwies zwar auf laufende Gespräche, wies den iranischen Gegenvorschlag jedoch als nicht akzeptabel zurück.
Bedeutung für den Ölmarkt
Für den Ölmarkt bleibt die Blockade der Straße von Hormus von zentraler Bedeutung. Die anhaltende Blockade der Meerenge hat das Angebot spürbar verknappt und zuletzt erneut für deutliche Preisreaktionen gesorgt. Die Spannungen im Nahen Osten haben den Ölpreis der Nordseesorte Brent zeitweise auf 126 US-Dollar je Barrel getrieben. Der Markt reagiert dabei nicht nur auf die geopolitischen Risiken, sondern auch auf die seit Wochen angespannte Versorgungslage. Zuletzt sorgten jedoch Berichte über eine mögliche Annäherung zwischen den USA und dem Iran kurzfristig für Entspannung an den Energiemärkten. Im Zuge wachsender Hoffnungen auf eine politische Lösung fiel der Brent-Preis zeitweise wieder unter die Marke von 100 US-Dollar je Barrel, wenngleich die Lage weiterhin fragil bleibt. Teile der ausgefallenen Mengen können über alternative Routen wie der Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien oder über begrenzte Exportkapazitäten einzelner Golfstaaten abgewickelt werden.
Auch die Freigabe strategischer Ölreserven dämpft den kurzfristigen Druck. Diese Maßnahmen gleichen die Versorgungslücke jedoch nur teilweise aus. Die Lagerbestände werden spürbar abgebaut und dürften nach aktuellen Einschätzungen nur noch bis etwa Ende Mai ausreichen. In Asien, im Nahen Osten und in Teilen Afrikas macht sich die Knappheit bei Rohöl und Ölprodukten bereits bemerkbar. Die hohen Preise wirken zunehmend dämpfend auf den Verbrauch, da die eingeschränkte Verfügbarkeit Unternehmen und private Haushalte zu Anpassungen beim Energieeinsatz veranlasst. Dieser Effekt trägt dazu bei, das knappe Angebot etwas zu entlasten, während ein spürbarer Umstieg auf alternative Energieträger bislang die Ausnahme bleibt. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch den angekündigten Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC+. Solange die Blockade aufrecht bleibt, ist die Wirkung begrenzt; mittel- bis langfristig könnte dies jedoch die Stabilisierungskraft des Kartells schwächen.
Konjunkturelle Auswirkungen des Energiepreisschocks
Aufgrund der höheren Energiepreise hat auch der Preisdruck zugenommen, was sich mittlerweile in den Inflationszahlen widerspiegelt. Die Inflation fiel im Monat April für die Eurozone mit 3,0 % spürbar höher als im März aus und für die USA wird ein Preisanstieg von 3,8 % im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Zweitrundeneffekte wie Preisanpassungen, höhere Lohnkosten oder auch langfristig höhere Inflationserwartungen sind aktuell noch kaum zu beobachten. Dazu kann es allerdings im späteren Jahresverlauf kommen, je nachdem in welchem Ausmaß und über welchen Zeitraum die Energiekosten erhöht bleiben.
In der Eurozone fiel das Wirtschaftswachstum für das 1. Quartal mit 0,8 % gegenüber dem Vorjahr geringer als erwartet aus, vor allem der Konsum reagierte sensibel auf die höheren Energiekosten. Das US-Wachstum zeigte sich mit 2 % hingegen deutlich stärker und wurde durch Aufholeffekte nach dem „Government Shutdown“ des letzten Jahres sowie durch Investitionen der großen Tech-Konzerne unterstützt. Die Stimmung unter Unternehmer*innen und Verbraucher*innen hat sich rund um den Globus verschlechtert und die Wachstumsprognosen großer Institute wurden nach unten revidiert. Die Prognosen lassen für 2026 ein globales Wirtschaftswachstum unter Trend erwarten.
Positive Stimmung an den Finanzmärkten
Trotz der schwächeren Wachstumsprognosen, der Verknappung des Energieangebots und der geopolitischen Unsicherheit herrscht eine „Risk on“-Stimmung an den globalen Finanzmärkten. Der aktuelle Waffenstillstand, die Hoffnung auf eine Einigung zwischen dem Iran und den USA sowie bisher gute Unternehmenszahlen in der Berichtssaison für das 1. Quartal haben die globalen Aktienmärkte unterstützt. Ein besonders hohes Gewinnwachstum weisen aktuell US-Unternehmen auf, insbesondere aus der Tech-Branche, weshalb der S&P 500 zuletzt ein neues Allzeithoch erreichte – von Unsicherheit ist keine Spur.
Die globalen Rentenmärkte zeigen sich aktuell stark beeinflusst von den Inflationsprognosen sowie den geldpolitischen Erwartungen an die großen Notenbanken. Im Kampf gegen die Inflation werden aktuell keine Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed sowie zwei bis drei Zinsanhebungen durch die EZB erwartet. Daher sind auch die Renditen über die gesamte Laufzeit der EUR- und US-Zinskurve angestiegen. In den aktuellen Renditeniveaus dürften laut BTV Einschätzung bereits höhere Energiepreise und damit höhere Inflationsraten über mehrere Monate sowie eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken eingepreist sein. Analog zur „Risk on“-Stimmung an den Aktienmärkten sind die Risikoaufschläge in den riskanteren Anleihesegmenten spürbar zurückgegangen. Der US-Dollar hat sich in den letzten Wochen gegenüber dem Euro wieder etwas abgeschwächt. Gold litt weiterhin unter den höheren Zinserwartungen.
Mögliche Entwicklungen des Konfliktes
Im aktuellen Umfeld sehen wir drei mögliche Entwicklungen des Konfliktes.
- Szenario 1: In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass der Waffenstillstand anhält bis eine Einigung zwischen den USA und dem Iran erzielt worden ist. Durch die Mid-Term Elections, die im November anstehen, steigt der Druck auf die USA eine Einigung zu erzielen kontinuierlich an. Zusätzlich führt die anlaufende US-„Driving Season“ zu einer stärkeren Sensibilität der Konsument*innen hinsichtlich höherer Energiepreise. Ein Einlenken der beiden Parteien in den Streitfragen sollte noch im Mai/Juni zu einer Öffnung der Straße von Hormus und einem Rückgang der Energiepreise führen. Dies würde bedeuten, dass der Inflationsanstieg temporärer Natur bleibt und sich die globalen Wachstumseinbußen in Grenzen halten.
- Szenario 2: In einem Negativszenario finden die beiden verhandelnden Volkswirtschaften keinen Konsens und die USA blockiert die Straße von Hormus noch mehrere Monate, aber die Waffenruhe hält. In diesem Fall wären wie bisher nicht nur Asien, der Nahe Osten und Afrika von der Knappheit an Energierohstoffen sowie Energieprodukten betroffen. Neigen sich die weltweiten Energiereserven dem Ende zu, werden auch Europa, Japan, China sowie die USA – wenn auch in geringerem Ausmaß – unter der Energieknappheit leiden. Es wären demnach nicht nur höhere Preisniveaus, sondern auch Rationierungen, die auf den Konsum drücken. Sinkende Konsumausgaben, höhere Produktionskosten in der Industrie sowie eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken im Kampf gegen die Inflation führen laut BTV Einschätzung zu deutlicheren Wachstumseinbußen. In der Eurozone ist in diesem Szenario eine Rezession bereits sehr wahrscheinlich.
- Szenario 3: In einem Extremszenario finden die verhandelnden Parteien keinen Konsens und die Waffenruhe bricht. Die Kämpfe gehen in die zweite Runde und die Straße von Hormus ist langfristig nicht mehr passierbar. Der Iran zielt darauf ab dem Westen maximalen Schaden zuzufügen und Israel will einen Regimewechsel im Iran erzwingen. Die US-Staatsschulden steigen an, Militärgüter werden knapp und die Unterstützung für Präsident Trump schwindet auch im eigenen Land, Unruhen sind möglich. Weiter steigende Energiepreise, höhere Inflationsraten, eine restriktive Geldpolitik der Notenbanken und eine globale Rezession wären die Folge.
Bedeutung für Ihr Portfolio
In turbulenten Zeiten wie diesen ist ein breit aufgestelltes Portfolio wichtiger denn je. Aus diesem Grund sind wir in den BTV Asset Management Mandaten nicht nur zwischen den Anlageklassen Aktien, Anleihen und Alternativen, sondern auch innerhalb der Anlageklassen diversifiziert.
In Aktien sind wir in den BTV Asset Management Mandaten aktuell strategisch allokiert. Militärische Konflikte sind schwer zu prognostizieren und haben auch in der Vergangenheit immer wieder für stärkere Rücksetzer gesorgt. In vielen Fällen waren diese jedoch zeitlich beschränkt und es folgte eine Erholungsbewegung. Die aktuelle Entwicklung an den globalen Aktienmärkten zeigt uns, dass auch in einem geopolitisch turbulenten Umfeld fundamentale Faktoren, wie eine übergeordnet positive Entwicklung der Weltwirtschaft, eine expansive Fiskalpolitik in den großen Wirtschaftsräumen sowie Investitionen in Zukunftsthemen für Kursgewinne sorgen können. Eine positiv angelaufene Berichtssaison für das erste Quartal, ein deutlicher Anstieg der Unternehmensgewinne sowie solide aufgestellte Unternehmen sorgen ebenfalls für Rückenwind. In den BTV Asset Management Mandaten halten wir daher an unserer strategischen Aktienquote fest. Diese Ausrichtung erlaubt uns, Chancen zu nutzen und das Risiko dennoch begrenzt zu halten, falls sich die Situation fundamental verschlechtert bzw. es durch geopolitische Entwicklungen zwischenzeitlich zu schärferen Rücksetzern kommt.
Im Anleihesegment gilt ein Großteil der höheren Inflationserwartungen bereits als eingepreist. Ein weiterer Renditeanstieg erscheint begrenzt, solange längerfristige Inflationserwartungen in der Nähe der Zentralbankzielraten bleiben und der Inflationsanstieg, wie in unserem Basisszenario erwartet, nur temporärer Natur bleibt. Um den Absicherungscharakter im Fall eines schärferen konjunkturellen Rücksetzers zu erhöhen und vom höheren Renditeniveau an den Anleihemärkten zu profitieren, haben wir die Duration in den Anleiheportfolios leicht auf sechs Jahre erhöht. Das Anleiheportfolio liefert aktuell eine Rendite von 3,9 %.
Alternative Investments bestehen zum einen aus liquiden Alternativen, die trotz Marktturbulenzen kaum Volatilität aufweisen und beständige Erträge generieren. Zum anderen sind wir in Gold investiert, das wir Anfang des Jahres erneut aufgestockt haben. Gold dürfte langfristig von den Unsicherheiten profitieren. Der jüngste Rücksetzer lässt sich mit dem erhöhten Liquiditätsbedarf begründen und ist in Marktphasen wie diesen nicht ungewöhnlich. Die Anlageklasse Alternative Investments trägt besonders im aktuellen Umfeld zur Reduktion der Volatilität und der Kursverluste sowie zur Erhöhung der Portfoliostabilität bei.
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Die in diesem Beitrag verwendeten Fach- und Finanzbegriffe werden unter folgendem Link ausführlich erklärt: Glossar.
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