Geopolitik bleibt im Fokus
Im Nahen Osten zeigt sich derzeit erneut das bekannte Muster aus Hoffnung auf eine Einigung, anschließender Eskalation und neuerlicher Deeskalation. Nach den jüngsten Angriffen zwischen Israel und dem Iran hat sich die Lage inzwischen noch einmal verschärft. Aus der zunächst regional begrenzten Eskalation ist nun wieder stärker eine direkte Konfrontation zwischen den USA und dem Iran geworden. Nachdem Washington den Abschuss eines US-Militärhubschraubers im Bereich der Straße von Hormus dem Iran zugeschrieben hatte, griff das US-Militär nach eigenen Angaben mehrere militärische Ziele im Iran an.
Teheran reagierte darauf mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golfregion, unter anderem in Bahrain, Kuwait und Jordanien. Damit bleibt die Waffenruhe brüchig und das Risiko einer erneuten Ausweitung des Konflikts hoch. Gleichzeitig hält die US-Regierung an ihrer diplomatischen Linie fest und signalisiert weiterhin, dass ein Abkommen mit dem Iran grundsätzlich möglich bleibt. Das macht die aktuelle Lage für die Märkte schwierig einzuordnen. Einerseits ist die Unsicherheit zuletzt wieder gestiegen, andererseits ist die Hoffnung auf eine politische Lösung noch nicht verschwunden.
Auch in Europa rückt die Geopolitik wieder stärker in den Fokus. Im Krieg zwischen Russland und der Ukraine gibt es neue diplomatische Initiativen, nachdem Deutschland, Frankreich und Großbritannien gemeinsam mit der Ukraine Vorbereitungen für mögliche Friedensverhandlungen getroffen haben. Ein rascher Durchbruch ist zwar nicht in Sicht, zumal die Kämpfe zuletzt wieder zugenommen haben, dennoch wächst die Erwartung, dass Europa bei möglichen Gesprächen wieder eine aktivere Rolle einnehmen wird.
Nur vorübergehende Entspannung am Ölmarkt
Wie stark die geopolitische Unsicherheit derzeit auf die Märkte wirkt, zeigt sich besonders am Ölmarkt. Nach den jüngsten US-Angriffen auf iranische Ziele im Bereich der Straße von Hormus ist der Ölpreis der Nordseesorte Brent wieder gestiegen und lag in den vergangenen Tagen in der Spitze bei rund 93 US-Dollar je Barrel. Trotz dieser Gegenbewegung blieb Brent aber unter der Marke von 100 US-Dollar und damit klar unter den Höchstständen vom März und April. Das spricht dafür, dass viele Marktteilnehmer weiterhin auf eine diplomatische Lösung hoffen. Gleichzeitig hat sich der Ölmarkt in den vergangenen Wochen zumindest teilweise an die Ausfälle aus der Golfregion angepasst. Zusätzliche Exporte aus den USA und alternative Transportwege haben geholfen, die Folgen etwas abzufedern. Entlastung kam zuletzt auch von der Nachfrageseite. Vor allem in China ist die Nachfrage deutlich zurückgegangen. Die Rohölimporte fielen im Mai auf 7,8 Mio. Barrel pro Tag und lagen damit rund 4 Mio. Barrel pro Tag unter dem Niveau von März. Ganz hat sich die Lage dennoch nicht entspannt. Die Lagerbestände in den USA sinken weiter, wodurch der Spielraum für zusätzliche Exporte kleiner wird. Auch von der OPEC+ kommen trotz einer weiteren Erhöhung der Förderquote ab Juli nur begrenzte Entlastungssignale. Der Ölmarkt bleibt damit anfällig für neue Ausschläge, auch wenn sich die Preise zuletzt wieder etwas beruhigt haben.
Inflationsrisiken nehmen zu – Weltwirtschaft zeigt sich robust
Die Energieknappheit und die demzufolge höheren Energiepreise schlagen bereits deutlich auf die Inflationszahlen durch. Die Teuerungsraten haben im Mai erneut zugelegt und betragen in den USA 4,2 % und in der Eurozone 3,2 % im Jahresvergleich. Auffallend ist, dass auch die Kerninflation angezogen hat. Die Kerninflation bezieht sich auf das Preisniveau ohne Berücksichtigung der Lebensmittel- und Energiepreise. Es kann damit zunehmend von Zweitrundeneffekten gesprochen werden. Insbesondere im Dienstleistungssektor ist die Teuerung angestiegen und auch die Inputkosten in der Industrie führen zu höheren Endpreisen bzw. lassen Firmen in den nächsten Monaten Preiserhöhungen einplanen. Die langfristigen Inflationserwartungen sind zwar etwas angestiegen, halten sich aber nach wie vor in Grenzen.
Die Wirtschaftsaktivität zeigt sich trotz des Energiepreisschocks nach wie vor robust. Unterstützung kommt von der expansiven Fiskalpolitik in den großen Wirtschaftsräumen, Investitionen in Zukunftstechnologien sowie von einem soliden Arbeitsmarkt, der Konsument*innen einen gewissen Handlungsspielraum gewährt. Die Stimmung unter Unternehmer*innen und Verbraucher*innen hat sich rund um den Globus aber verschlechtert und die Wachstumsprognosen großer Institute wurden nach unten revidiert. Die aktuellen Prognosen lassen für 2026 ein globales Wirtschaftswachstum unter Trend erwarten. Das tatsächliche Weltwirtschaftswachstum hängt stark von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten und vor allem vom Zeitpunkt einer möglichen Einigung zur Beilegung des Konflikts ab.
Flexible Geldpolitik in unsicherem Umfeld gefragt
Die globalen Rentenmärkte stehen aktuell weiterhin stark im Zeichen der Inflationsentwicklung und der geldpolitischen Erwartungen an die großen Notenbanken. In den USA haben die robusten Arbeitsmarktdaten und der anhaltende Preisdruck die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen weiter gedämpft. Stattdessen rechnet der Markt inzwischen zunehmend damit, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen vorerst unverändert lässt und im weiteren Jahresverlauf sogar noch einmal anheben könnte. Auch in der Eurozone bleibt die Inflation ein wichtiges Thema. Die EZB hat in ihrer Sitzung am 11. Juni den Leitzins erstmals seit fast drei Jahren wieder angehoben und den Einlagensatz von 2,0 % auf 2,25 % erhöht. Für den Herbst wird am Markt bereits ein weiterer Zinsschritt als möglich angesehen. Entsprechend sind auch die Renditen über die gesamte Laufzeit der EUR- und US-Zinskurve angestiegen. In den aktuellen Renditeniveaus dürften laut BTV Einschätzung bereits höhere Energiepreise und damit höhere Inflationsraten über mehrere Monate sowie eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken eingepreist sein. In den riskanteren Anleihesegmenten zeigen sich die Risikoaufschläge trotz des unsicheren Umfelds weiterhin vergleichsweise tief. Das spricht dafür, dass die Risikobereitschaft der Anleger insgesamt noch intakt ist. Der US-Dollar zeigte sich gegenüber dem Euro zuletzt wieder etwas stärker und bleibt demnach als Krisenwährung gefragt.
Aktienrallye hält an – Risiken bleiben bestehen
Im bisherigen Jahresverlauf zeigte sich der globale Aktienmarkt überraschend robust. Trotz der geopolitischen Turbulenzen und der Verknappung des Energieangebots konnten verschiedenste Indizes wie der US-amerikanische S&P 500 oder der japanische Nikkei 225 neue Allzeithochs erreichen. Unterstützung erhielt das Aktiensegment von einer robuster als erwarteten Weltwirtschaftsleistung, fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen sowie solide aufgestellten Unternehmen.
Besser als erwartete Unternehmensgewinne sowie höhere Gewinnschätzungen für die zukünftigen Quartale rechtfertigen die positive Aktienmarktentwicklung. Auffällig ist jedoch, dass die Gewinnbreite zuletzt wieder abgenommen hat und das Gewinnwachstum vor allem im US-Tech-Bereich besonders stark ausgeprägt war. Dies erklärt, warum die Marktbreite zuletzt abgenommen hat und die Rallye von wenigen Sektoren bzw. einzelnen Titeln beflügelt wurde.
Im BTV Basisszenario gehen wir davon aus, dass es zu einer baldigen Einigung im Iran-Konflikt kommt, das Wirtschaftswachstum zwar geringer als zu Jahresanfang erwartet ausfällt, aber eine Rezession bzw. ein Stagflationsszenario ausbleibt. Unser Aktienausblick bleibt demnach positiv, längerfristig gehen wir außerdem von einer Zunahme der Marktbreite aus. Temporäre Rücksetzer sind in der aktuellen Gemengelage wahrscheinlich und können bei unverändertem Wirtschaftsausblick für Zukäufe genutzt werden. In den BTV Asset Management Mandaten halten wir daher an unserer strategischen Aktienquote fest. Diese Ausrichtung erlaubt uns, Chancen zu nutzen und das Risiko dennoch begrenzt zu halten, falls sich die Situation fundamental verschlechtern sollte.
Diversifikation in turbulenten Marktphasen
Eine gute Diversifikationsmöglichkeit bieten weiterhin alternative Investments. Im Rohstoffsegment hält Gold in den kommenden Monaten weiterhin den besten Ausblick bereit. Auch wenn sich Gold aufgrund der höheren Zinserwartungen und steigenden Renditen zuletzt belastet zeigt, gilt das gelbe Edelmetall weiterhin als sinnvolles Investment in der aktuellen Gemengelage. Geopolitische Turbulenzen, eine unklare US-Politik sowie Konjunktur- und Inflationssorgen machen Gold aus Diversifikations- und Absicherungszwecken attraktiv. Eine erhöhte Nachfrage von globalen Notenbanken sowie von institutionellen und privaten Investoren dürften den Goldpreis erneut über die Marke von 5.000 US-Dollar pro Unze klettern lassen. Neben Gold sind wir in den BTV Asset Management Mandaten in liquiden alternativen Investments engagiert. Seit Jahresanfang konnten diese trotz erhöhter Marktvolatilität beständige Erträge generieren. Die Anlageklasse Alternative Investments trägt besonders im aktuellen Umfeld zur Reduktion der Volatilität und der Kursverluste sowie zur Erhöhung der Portfoliostabilität bei.
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