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Die Welt im Wandel

Zwischen Zollpolitik und höheren Energiepreisen

Die weltpolitischen Ereignisse haben die Märkte zuletzt spürbar beeinflusst: Die Zollpolitik von US-Präsident Trump bleibt ungewiss und der Konflikt im Nahen Osten begrenzt das globale Ölangebot. Trotz den jüngsten Turbulenzen bleibt unser langfristiger Aktienausblick positiv, während Gold seine Rolle als Stabilitätsanker behauptet.

Im aktuellen BTV Anlagekompass lesen Sie, wie wir diese Entwicklungen einordnen und welche Marktchancen wir in den kommenden Wochen sehen.

Marktmeinung

Konjunktur

US-Zölle sorgen weiter für Unsicherheit an den Märkten

Der Oberste Gerichtshof der USA hat einen Großteil der von Präsident Trump verhängten Zölle für unzulässig erklärt. Welche Zölle weiterhin gelten, was das für den EU-US-Handelsdeal bedeutet und wie es für europäische Exporteure nun weitergeht, beleuchten wir im folgenden Kapitel.

Oberster Gerichtshof erklärt US-Zölle für unzulässig

Der Oberste Gerichtshof der USA hat entschieden, dass ein Großteil der von Präsident Trump verhängten Zölle rechtswidrig ist. Betroffen sind jene Maßnahmen, die auf Grundlage des „International Emergency Economic Powers Act“ (IEEPA) eingeführt wurden. Nach Ansicht der Richter*innen erlaubt dieses Gesetz zwar Eingriffe in den Handel, nicht jedoch die Verhängung weitreichender Zölle. Das Urteil fiel mit sechs zu drei Stimmen und war nach den mündlichen Anhörungen im Grundsatz erwartet worden. Für Trump ist dies ein deutlicher Rückschlag, auch wenn das Zollthema damit nicht vom Tisch ist. Kurz darauf ordnete er einen pauschalen Zoll von 10 % auf alle Exporte in die USA an, der perspektivisch auf 15 % angehoben werden soll. Für einige Staaten bringt dies kurzfristig Entlastung, andere könnten hingegen bald mit einer höheren Zollbelastung konfrontiert sein. Mit seiner Zollpolitik will Trump vor allem das hohe Handelsbilanzdefizit der USA reduzieren. Der erhoffte Effekt ist bislang jedoch ausgeblieben. Die US-Handelsbilanz blieb 2025 mit rund 901,5 Milliarden US-Dollar deutlich negativ. Zwar stiegen die Exporte um etwa 6 %, gleichzeitig legten jedoch auch die Importe weiter zu. Das grundlegende Ungleichgewicht im Außenhandel wurde durch die Zölle bislang kaum verändert. Die Entscheidung bleibt jedoch nicht ohne Folgen für den internationalen Handel. Insbesondere für den noch nicht abschließend vereinbarten Handelsdeal zwischen der EU und den USA ergeben sich dadurch neue Unsicherheiten.

Aktuelle Zollsätze nach Produkten

JP Morgan; Stand 26.02.2026
  • Hinweis: Section-232-Zölle werden aus Gründen der nationalen Sicherheit verhängt und gelten branchenweit (nicht länderspezifisch).

Welche Konsequenzen hat das für den EU-US-Handelsdeal?

Vor diesem Hintergrund rückt der noch nicht finalisierte Handelsdeal zwischen der EU und den USA erneut in den Fokus. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs verleiht den Verhandlungen neue Bewegung, bringt aber zugleich zusätzliche Unsicherheit. Zwar hatten sich beide Seiten im Sommer 2025 grundsätzlich auf ein Abkommen verständigt, dieses ist jedoch noch nicht rechtlich bindend. Ein zentraler Punkt ist dabei die vereinbarte Zollobergrenze von 15 %, die für EU-Waren gelten soll. Die zuletzt von den USA eingeführten pauschalen Zusatzzölle von 10 % würden jedoch auf bereits bestehende Zölle aufgeschlagen. Dadurch könnte die tatsächliche Belastung für viele Produkte über die vereinbarte Grenze hinausgehen. Genau hier setzt die Kritik der EU an. Sie fordert die Einhaltung der zugesagten maximalen Gesamtbelastung. Solange unklar ist, wie die neuen US-Zölle angerechnet werden, hat das Europäische Parlament die Beratungen ausgesetzt. Für Unternehmen und Anleger*innen bedeutet dies, dass sich mögliche Vorteile aus dem Abkommen verzögern und der transatlantische Handel vorerst schwer einzuschätzen ist.

US‑Handelsdefizit als Begründung für Zölle

Bloomberg; Stand 31.12.2025

Aktien

Aktien – attraktiv trotz jüngster Turbulenzen?

Die Unsicherheit darüber, wie sich die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz auf Konjunktur und Unternehmen auswirken, führte im Februar bereits zu Kursverlusten in ausgewählten Branchen. Im März belastet der Krieg im Nahen Osten die Anleger*innen zusätzlich. Bleiben Aktien trotz allem attraktiv oder kündigt sich ein Bärenmarkt an?

Krieg im Nahen Osten: Implikationen für den Aktienmarkt

Die Eskalation des Iran-Konflikts Anfang März führte zu einer „Risk off“-Stimmung an den Märkten. Die größte Unsicherheit betrifft die Frage, ob der Konflikt die globale Energieversorgung nachhaltig beeinträchtigt und damit auch die Inflation erneut ansteigen lässt. Dies hätte Auswirkungen auf die Geldpolitik der großen Notenbanken und das Wirtschaftswachstum. Die globalen Aktienmärkte mussten demnach Anfang März spürbare Kursverluste hinnehmen. Militärische Konflikte sind schwer zu prognostizieren und haben auch in der Vergangenheit immer wieder für stärkere Rücksetzer gesorgt (siehe Tabelle). In vielen Fällen waren diese jedoch zeitlich beschränkt und es folgte eine Erholungsbewegung – zumindest solange der Konjunkturausblick und die fundamentalen Unternehmenszahlen intakt blieben. Nur in einem Extremszenario, in dem sich der Konflikt weiter verschärft, der Ölpreis seinen Anstieg beschleunigt und damit die Inflation langfristig spürbar nach oben drückt, würde sich unser Konjunktur- und damit auch unser Aktienausblick fundamental verschlechtern. Das prominenteste Beispiel der Vergangenheit war der Jom-Kippur-Krieg und die anschließende Ölpreiskrise in den 1970er-Jahren (siehe Tabelle). Um das Portfolio im aktuellen Umfeld widerstandsfähig aufzustellen wird die Aktienquote in den BTV Asset Management von einem leichten Übergewicht auf die strategische Quote reduziert. Auch wenn sich der Konjunkturausblick zuletzt eingetrübt hat, erwarten wir im BTV Basisszenario weiterhin ein solides Wirtschaftswachstum und sehen keine Rezession. Ein robuster Konsum, solide Unternehmenszahlen und die expansive Fiskalpolitik in den großen Wirtschaftsräumen schaffen hierfür eine solide Grundlage. Ein temporärer Anstieg der Inflation sollte damit von der Weltwirtschaft gut abgefedert werden können. Übergeordnet bleibt unser positiver Aktienausblick damit bestehen. Dennoch gilt es weiterhin die Entwicklungen im Nahost-Konflikt genau zu beobachten und bei Bedarf die Allokation anzupassen.

Performance des S&P 500 während militärischer Konflikte

Bloomberg; Stand 06.03.2026

US-Aktienmarktentwicklung seit 1970

Bloomberg; Stand 06.03.2026
  • Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewähr für künftige Ereignisse oder Wertentwicklungen. Wenn Finanzinstrumente in fremder Währung notieren, kann infolge von Währungsschwankungen die Rendite steigen oder fallen. Die
    angeführten Wertentwicklungen verringern sich um Kosten wie Provisionen, Gebühren und sonstige Entgelte, deren Höhe Sie dem Schalter- und Preisaushang entnehmen können sowie ggf. um Steuern.

Rohstoffe

Spannungen im Nahen Osten lassen Öl- und Erdgaspreise steigen

Die Eskalation im Nahen Osten sorgt für deutliche Unruhe an den Energiemärkten. Im Fokus steht die Straße von Hormus, eine zentrale Route für den weltweiten Öl- und Gastransport. Lieferausfälle und Sicherheitsrisiken treiben die Preise nach oben und verstärken die Unsicherheit. Welche Folgen das für den Ölpreis hat und warum der Gasmarkt besonders stark reagiert, zeigt der folgende Überblick.

Welche Rolle spielt die Straße von Hormus für den Ölpreis?

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten hat die Rohstoffmärkte spürbar verunsichert. Nach militärischen Angriffen der USA und Israels auf Ziele im Iran kam es zu Gegenreaktionen in der Golfregion, die auch den dortigen Schiffsverkehr beeinträchtigten. Besonders kritisch ist die Lage in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportrouten für Öl. Diese Meerenge ist für den globalen Ölmarkt von zentraler Bedeutung, denn täglich werden dort rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte transportiert. Das entspricht etwa einem Fünftel der weltweiten Produktion. Sollten die Lieferungen aus dem Golf längerfristig gestört bleiben, wären deutlich höhere Öl- und Gaspreise zu erwarten. Dies würde zugleich die Inflation anheizen und das globale Wirtschaftswachstum belasten. Aus Angst vor Angriffen meiden viele Tanker derzeit die Passage, zahlreiche Schiffe stecken im Persischen Golf fest. Der Ölpreis reagierte schnell auf diese Entwicklung. Für die Nordseesorte Brent kam es zu einem deutlichen Anstieg, der den Preis bereits auf ein Mehrjahreshoch von über 100 US-Dollar pro Barrel von über 100 US-Dollar pro Barrel brachte. Hohe Lagerbestände der Ölimporteure sowie die Einigung der OECD zur Freigabe strategischer Ölreserven können den Ölmarkt kurzfristig entlasten. Ausschlaggebend für das globale Ölangebot wird allerdings die Passierbarkeit der Straße von Hormus sein. Weder die USA noch die Golfstaaten haben aufgrund erhöhter Inflationsraten bzw. sinkender Staatseinnahmen Interesse an einer langfristigen Blockade, weshalb wir im BTV Basisszenario davon ausgehen, dass der Ölpreisanstieg von temporärer Natur sein wird. Das Risiko bleibt allerdings bestehen, dass der Iran durch die Blockade der Meerenge seine Angreifer weiterhin zu schwächen beabsichtigt.

Schiffe stauen sich rund um die Straße von Hormus

MarineTraffic.com; Stand 05.03.2026

Welche Folgen hat die Eskalation im Iran für den Gasmarkt?

Am Gasmarkt fiel die Reaktion auf die gestörten Lieferketten im Nahen Osten sogar ebenfalls stark aus.. Auch hier spielt die Straße von Hormus eine wichtige Rolle, denn mehr als ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von Flüssiggas (LNG) wird über diese Route transportiert. Besonders betroffen ist Katar, einer der weltweit größten Exporteure von LNG. Das Land stoppte die Produktion vorübergehend, nachdem ein großes Verflüssigungsterminal Ziel eines Militärangriffs geworden war. Aus Sicherheitsgründen wurde der Betrieb zunächst eingestellt. Zusätzlich wurde ein bedeutendes Gasfeld im östlichen Mittelmeer geschlossen. In der Folge zogen die Gaspreise deutlich an. Der europäische Referenzpreis TTF stieg zeitweise um mehr als 50 %. Zwar bezieht Europa inzwischen einen großen Teil seines Gases aus den USA, dennoch sorgt die angespannte Lage für große Unsicherheit. Die Sorge, dass asiatische Abnehmer verstärkt um verfügbare LNG-Mengen konkurrieren könnten, treibt die Gaspreise zusätzlich nach oben. Nicht zu vergleichen ist der Preisanstieg allerdings mit 2022, als der Gaspreis auf über 300 EUR/MWh anstieg (siehe Grafik). Solange sich die Lage im Nahen Osten nicht beruhigt, bleibt der Preisdruck am Energiemarkt hoch.

Und was macht Gold?

Auch der Goldpreis reagierte zunächst auf die gestiegene Unsicherheit und legte als sicherer Hafen spürbar zu. Zuletzt hat das Edelmetall einen Teil der Gewinne wieder abgegeben, da höhere Energiepreise neue Inflationssorgen schüren und damit die Erwartung länger anhaltend hoher Zinsen stärken. Das belastet Gold, da es keine laufenden Erträge bietet. Trotz der zuletzt hohen Schwankungen sprechen mehrere Faktoren für eine anhaltende Unterstützung des Goldpreises. Die schwer einschätzbare US-Politik, die angespannte geopolitische Lage und der Wunsch vieler Investor*innen, sich unabhängiger vom US-Dollar aufzustellen, bleiben wichtige langfristige Treiber.

Produktionsausfall in Katar lässt Gaspreise steigen

Bloomberg; Stand 05.03.2026

Währungen

US-Dollar: Cash is King

Nachdem der US-Dollar nun Monate der Abwertung hinter sich hat, führte die Eskalation des Iran-Konflikts zuletzt wieder zu einer Aufwertung. Nach BTV Einschätzung handelt es sich hierbei aber nur um eine zwischenzeitliche Bewegung. Bis Jahresende bleibt unsere Währungseinschätzung unverändert – wir erwarten einen schwächeren US-Dollar.

Krieg im Nahen Osten lässt US-Dollar aufwerten

Nach Monaten der Schwäche ließ die Eskalation im Nahen Osten den US-Dollar Anfang März in der Spitze bis auf 1,15 EUR steigen. Während Aktien abverkauft wurden, die Renditen aufgrund der Inflationssorgen an den globalen Rentenmärkten anzogen und sogar Edelmetalle aufgrund des Liquiditätsbedarfs weniger gefragt waren, wertete der US-Dollar auf. In Krisenphasen gilt auch weiterhin: Cash is King. Unter den Währungen bleiben Hartwährungen gefragt, allen voran der US-Dollar, der als sicherer Hafen gilt. Zusätzlich unterstützt wurde die USD-Stärke durch steigende Renditen und nachlassende Zinssenkungserwartungen an die US-Notenbank Fed. Ein weiterer Vorteil, den die US-Wirtschaft zum Beispiel gegenüber Europa aufweist, ist deren Unabhängigkeit von Öl und Gas aus dem Nahen Osten. Sollte der Ölpreis über einen längeren Zeitraum auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau verharren, dürfte dies demnach die europäische Wirtschaft stärker treffen als die US-amerikanische.

Langfristig schwächerer US-Dollar erwartet

Im BTV Basisszenario erwarten wir weiterhin einen EUR/USD Wechselkurs von 1,20 zu Jahresende. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die Lage im Nahen Osten bis dahin ausreichend beruhigt. Die schwer einschätzbare US-Politik, Sorgen um die Fed-Unabhängigkeit, das US-Leistungsbilanzdefizit sowie eine steigende US-Verschuldung sprechen weiterhin für einen schwächeren US-Dollar bis zum Jahresende.

US-Dollar gewinnt durch Nahost-Konflikt wieder an Beliebtheit

Bloomberg; Stand 06.03.2026

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