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Robustes Wachstum trotz globaler Unsicherheiten

Zwischen geopolitischen Risiken und robusten Kapitalmärkten

Hohe Energiepreise, steigende Zinsen und politische Unsicherheiten prägen das aktuelle Marktumfeld. Gleichzeitig zeigt sich die Weltwirtschaft widerstandsfähiger als erwartet. Solides Wachstum, starke Unternehmensgewinne und Investitionen in Zukunftsthemen unterstützen die Kapitalmärkte und sorgen für einen konstruktiven Ausblick.

Im aktuellen BTV Anlagekompass erfahren Sie, wie wir die Auswirkungen von Geopolitik, Inflation und Geldpolitik auf die Kapitalmärkte einschätzen und welche Chancen wir aktuell bei Aktien, Anleihen und Rohstoffen sehen.

Marktmeinung

Konjunktur

US-Wirtschaft zwischen Midterms und Iran-Krieg

Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs werden in den USA zunehmend spürbar. Steigende Energiepreise belasten die Kaufkraft der Verbraucher*innen und den Staatshaushalt. Wie stark werden diese Belastungen den Ausgang der Zwischenwahlen beeinflussen?

US-Zwischenwahlen rücken näher

Die US-Zwischenwahlen am 3. November rücken näher und gewinnen damit auch für Wirtschaft und Finanzmärkte an Bedeutung. Gewählt werden sämtliche Sitze im Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel des Senats. Derzeit verfügen die Republikaner in beiden Kammern über knappe Mehrheiten. Gewinnen die Demokraten zumindest eine Kammer zurück, könnten sie wichtige Vorhaben der Regierung erschweren oder blockieren. Das Wahlergebnis entscheidet somit darüber, wie groß der politische Handlungsspielraum von US-Präsident Donald Trump in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit bleibt.

Im Wahlkampf stehen vor allem Themen im Mittelpunkt, die viele US-Haushalte unmittelbar betreffen. Dazu zählen die gestiegenen Lebenshaltungskosten, der Konflikt mit dem Iran sowie die Handelspolitik. Auch der Ausbau künstlicher Intelligenz und neuer Rechenzentren gewinnt an Bedeutung. Die hohen Investitionen gelten als wichtiger Wachstumstreiber für die US-Wirtschaft. Gleichzeitig sorgen der steigende Strombedarf und mögliche Mehrkosten bei Verbraucher*innen für Kritik. Im Vordergrund steht daher zunehmend die Frage, wer von der Entwicklung profitiert und wer die damit verbundenen Kosten trägt.

Die Republikaner versuchen, mit weitreichenden wirtschaftspolitischen Versprechen zusätzliche Stimmen zu gewinnen. Dazu zählt auch eine angekündigte Direktzahlung von 5.000 US-Dollar an Erwachsene im Fall eines Wahlsiegs. Angesichts der hohen Kosten erscheint eine Umsetzung jedoch wenig realistisch. Bis zum Wahltermin bleibt der politische Handlungsspielraum der US-Regierung somit ein zentrales Thema.

Steigende Benzinpreise belasten US-Haushalte

Quelle: Bloomberg; Stand 02.10.2026

US-Verbraucher*innen spüren die Folgen des Iran-Kriegs

Mindestens ebenso entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung ist jedoch die Lage im Nahen Osten. Der Konflikt mit dem Iran sorgt weiterhin für erhöhte Energiepreise, die sich zunehmend in den Lebenshaltungskosten der US-Verbraucher*innen bemerkbar machen. Eine diplomatische Lösung zeichnet sich derzeit nicht ab. Zuletzt lehnte US-Präsident Donald Trump einen iranischen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus ab, woraufhin der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent auf rund 106 US-Dollar stieg. Zwar haben sich die Ölexporte aus der Region jüngst etwas erholt, die Versorgungslage bleibt jedoch angespannt.

Bleiben die Energiepreise länger erhöht, dürfte dies die Kaufkraft der privaten Haushalte belasten und den Inflationsdruck verstärken. Für Verbraucher*innen bedeutet das höhere Kosten und weniger finanziellen Spielraum. Hinzu kommen die steigenden Kosten des militärischen Einsatzes. In den ersten fünf Kriegsmonaten beliefen sich die Ausgaben bereits auf rund 38 Mrd. US-Dollar, jeder weitere Monat dürfte den Staatshaushalt zusätzlich belasten. Vor dem Hintergrund der hohen US-Staatsverschuldung erhöht dies den finanziellen Druck auf die Regierung. Der weitere Verlauf des Konflikts ist damit nicht nur für die wirtschaftlichen Aussichten, sondern auch für den Ausgang der Zwischenwahlen von großer Bedeutung.

Preisdruck bleibt in den USA erhöht

Quelle: Bloomberg; Stand 30.09.2026

Aktien

Unternehmensgewinne geben Aktien Rückenwind – trotz Unsicherheiten

Trotz des Konflikts im Nahen Osten, hoher Energiepreise und steigender Zinsen zeigen sich die globalen Aktienmärkte robust. Es ist die Aussicht auf weiter steigende Unternehmensgewinne, die überzeugt. Der BTV Aktienausblick bleibt demnach positiv, insbesondere in Richtung Jahresende.

Globale Aktien vor saisonal starkem Jahresende

Im bisherigen Jahresverlauf konnten die globalen Aktienmärkte die geopolitischen Turbulenzen, den Ölpreisschock sowie höhere Inflations- und Zinserwartungen gut verkraften. Auf den ersten Blick scheint dies überraschend, bei genauerer Betrachtung hat jedoch bereits die Vergangenheit gezeigt, dass starke Gewinnzahlen für Resilienz am Aktienmarkt sorgen. Für die Jahre 2026 und 2027 wird sowohl für die USA (S&P 500) als auch für Europa (STOXX 600) und Japan (TOPIX) mit einem Gewinnwachstum im zweistelligen Prozentbereich gerechnet. Zusätzlich positiv zu werten ist, dass immer mehr Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen Gewinnzuwächse verzeichnen und die starke Fokussierung auf den Technologiesektor allmählich abnimmt. Wie in der Grafik auf der nächsten Seite ersichtlich, hat der Abstand in Sachen Gewinnwachstum zwischen den großen US-Tech-Konzernen, den sogenannten Magnificent 7, und den restlichen im S&P 500 gelisteten Unternehmen abgenommen.

Das Fundament für das starke Gewinnwachstum liefert eine brummende Konjunktur, die zuletzt sogar noch an Dynamik zulegen konnte. Konsument*innen in Kauflaune sowie hohe Investitionstätigkeit sorgen dafür, dass die Weltwirtschaft und damit auch die Unternehmensgewinne überdurchschnittlich stark wachsen. Die Aussicht auf weitere Produktivitätsgewinne durch Fortschritte im Bereich der KI stimmt die Analyst*innen optimistisch. Unternehmen in den großen Wirtschaftsräumen USA, Eurozone und Japan sind gut aufgestellt und überzeugen neben den guten Unternehmenszahlen mit einer unterdurchschnittlichen Verschuldung und steigenden Margen. Mit Blick auf das Jahresende bewegen wir uns auf eine saisonal starke Phase für die Aktienmärkte zu. Nach einem traditionell schwachen September steigt die Nachfrage nach Aktien erfahrungsgemäß wieder an. Zudem zeigte sich in US-Zwischenwahljahren besonders das vierte Quartal historisch als sehr positiv. Darüber hinaus haben viele Investor*innen zuletzt Risiken abgebaut, vor allem durch den Verkauf von Halbleiteraktien, was nun Raum für neue Kapitalzuflüsse bis zum Jahresende schafft.

Unternehmensergebnisse sollten globale Aktienmärkte weiterhin unterstützen

Quelle: JP Morgan; Stand 01.10.2026
  • Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewähr für künftige Ereignisse oder Wertentwicklungen. Wenn Finanzinstrumente in fremder Währung notieren, kann infolge von Währungsschwankungen die Rendite steigen oder fallen. Die angeführten Wertentwicklungen verringern sich um Kosten wie Provisionen, Gebühren und sonstige Entgelte, deren Höhe Sie dem Schalter- und Preisaushang entnehmen können sowie ggf. um Steuern.

Zinsentwicklung im Blick behalten

Im Blick behalten sollten Anleger*innen allerdings die Zinsentwicklung an den Rentenmärkten. Steigen die Renditen langfristiger Staatsanleihen vor allem aufgrund eines positiven Wirtschaftsausblicks und nicht wegen wachsender Inflationsängste oder hoher Staatsverschuldung, können sich die globalen Aktienmärkte meist gut behaupten. Sollten die Zinsen jedoch deutlich anziehen – etwa wenn US-Staatsanleihen Renditen von 6 % erreichen und dadurch die Finanzierungskosten spürbar steigen –, könnte dies auch gut aufgestellte Unternehmen unter Druck setzen.

Anleihen

Die Rückkehr der Zinsen

Staatsverschuldung, Inflation und Geldpolitik bleiben die bestimmenden Themen an den Anleihemärkten. Höhere Renditen sorgen jedoch dafür, dass Anleihen nach Jahren niedriger Zinsen wieder an Attraktivität gewinnen.

Frankreich rückt in den Fokus der Anleihemärkte

Die Diskussion um Staatsverschuldung und steigende Finanzierungskosten beschränkt sich längst nicht mehr auf die USA. Zunehmend richtet sich der Blick der Anleger*innen auch auf Europa. Besonders Frankreich steht dabei im Fokus. Hohe Staatsdefizite und die politische Unsicherheit vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr haben dazu beigetragen, dass Anleger*innen für französische Staatsanleihen deutlich höhere Risikoaufschläge verlangen (siehe Grafik auf der nächsten Seite). Zeitweise rentierten französische Staatsanleihen sogar höher als vergleichbare italienische Papiere. Das zeigt, dass die Finanzmärkte die französischen Staatsfinanzen derzeit genauer beobachten. Für viele Staaten wird das Umfeld damit anspruchsvoller. Nach Jahren niedriger Zinsen müssen sich Regierungen wieder stärker mit steigenden Finanzierungskosten auseinandersetzen. Gleichzeitig rücken hohe Schulden und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Staaten wieder zunehmend in den Fokus der Anleger*innen. Frankreich steht dabei stellvertretend für eine Herausforderung, mit der viele Industrieländer konfrontiert sind. Entsprechend dürften Staatsverschuldung, Inflation und Geldpolitik auch in den kommenden Monaten wichtige Einflussfaktoren für die Anleihemärkte bleiben.

Renditen französischer Staatsanleihen auf Mehrjahreshochs

Quelle: Bloomberg; Stand 02.10.2026
  • Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewähr für künftige Ereignisse oder Wertentwicklungen. Wenn Finanzinstrumente in fremder Währung notieren, kann infolge von Währungsschwankungen die Rendite steigen oder fallen. Die angeführten Wertentwicklungen verringern sich um Kosten wie Provisionen, Gebühren und sonstige Entgelte, deren Höhe Sie dem Schalter- und Preisaushang entnehmen können sowie ggf. um Steuern.

Anleihen bieten attraktive Erträge

Die gestiegenen Renditen stellen Anleger*innen nicht nur vor Herausforderungen, sondern eröffnen auch neue Möglichkeiten. Nach Jahren äußerst niedriger Zinsen bieten hochwertige Staats- und Unternehmensanleihen wieder laufende Erträge, die einen spürbaren Beitrag zur Wertentwicklung eines Portfolios leisten können. Damit hat sich das Umfeld für festverzinsliche Wertpapiere deutlich verbessert. Zwar könnten Themen wie Staatsverschuldung, Inflation oder geopolitische Risiken die Marktzinsen kurzfristig noch etwas nach oben treiben, allerdings sehen wir in der BTV das aktuelle Renditeniveau als attraktiv an. Zusätzlich bieten die höheren Kupons einen Puffer gegenüber Marktschwankungen. In den BTV Asset-Management-Mandaten liegt die durchschnittliche Laufzeit (Duration) derzeit bei sechs Jahren. Dadurch kann ein wesentlicher Teil des aktuell attraktiven Renditeniveaus langfristig im Portfolio verankert werden. Gleichzeitig wird das Zinsrisiko, also mögliche Kursverluste bei steigenden Marktzinsen, durch diese neutrale Positionierung weiterhin sorgfältig überwacht.

Rohstoffe

Industriemetalle als Gewinner von Zukunftstrends

Industriemetalle gelten als strategische Rohstoffe und sind zurzeit in aller Munde. In der BTV gehen wir davon aus, dass dieser Trend langfristig bestehen bleibt. Gold musste aufgrund der gestiegenen Zinsen zwar einen Rücksetzer hinnehmen, bleibt zu Absicherungszwecken aber gefragt.

Industriemetalle mit strategischer Bedeutung

Angesichts geopolitischer Spannungen und anhaltender Konflikte, wie etwa im Nahen Osten, gewinnt das Thema Energiesicherheit zunehmend an Bedeutung. Um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden und die Versorgung langfristig zu sichern, rücken erneuerbare Energien immer stärker in den Fokus von Politik und Wirtschaft. Industriemetalle sind dabei unverzichtbar: Sie werden für den Bau von Wind- und Solarkraftwerken sowie für die Elektromobilität dringend gebraucht. Darüber hinaus treiben der KI-Boom, der Ausbau von Datenzentren, höhere Verteidigungsausgaben und verstärkte Investitionen in Infrastruktur die weltweite Nachfrage.

Damit sind Industriemetalle ein Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Umsetzung verschiedenster Zukunftstechnologien. Es ist davon auszugehen, dass deren Verfügbarkeit letztlich auch den wirtschaftlichen Erfolg bzw. die Vormachtstellung der großen Volkswirtschaften beeinflussen wird.

Die strategische Bedeutung von Industriemetallen hat dazu geführt, dass sich die beiden konkurrierenden Wirtschaftsmächte USA und China den Zugang zu den begehrten Rohstoffen sichern wollen. Die Diskussion über mögliche US-Importzölle auf Kupfer hat dazu geführt, dass US-Importe vorgezogen wurden und die Kupferbestände in den USA massiv angestiegen sind. Im Gegenzug hält China Aluminium und Nickel zurück, um sich einen strategischen Vorteil zu sichern. Infolge dieses Kräftemessens entsteht im Rest der Welt eine künstliche Knappheit, weshalb die Preise auf hohem Niveau verharren bzw. weiter ansteigen dürften.

Ein weiterer Risikofaktor für das globale Angebot ist das Wetter. Das Phänomen El Niño führt in manchen Gebieten der Erde zu extremer Trockenheit, was die Stromgewinnung aus Wasserkraft erschwert, Wasserwege unpassierbar macht oder auch die Hafenaktivität einschränkt. Andere Gebiete leiden hingegen unter Überschwemmungen, was die Produktion ebenso beeinträchtigt. Nickel sieht sich bereits mit geringeren Fördermengen konfrontiert, bei Kupfer könnte es ebenfalls zu einer Angebotsreduktion kommen. Die Auswirkungen durch El Niño sind in der Grafik anschaulich dargestellt.

Mögliche Exportbeschränkungen für US-Diesel könnten das Angebot an Industriemetallen zusätzlich belasten. Besonders betroffen wäre Lateinamerika, da die Region einen Großteil ihres Diesels aus den USA bezieht – ein wichtiger Faktor für die Förderung von Industriemetallen. Insgesamt sorgt die Kombination aus starker Nachfrage und begrenztem Angebot für ein attraktives Umfeld für Industriemetalle, wobei Anleger*innen kurzfristige Schwankungen infolge (geo-)politischer Entwicklungen einkalkulieren sollten. Angesichts der hohen strategischen Bedeutung von Industriemetallen sehen wir das Preispotenzial langfristig allerdings als intakt an.

El Niño führt zu extremen Wetterereignissen

Quelle: JP Morgan; Stand 01.10.2026

Gold trotz höherer Zinsen gefragt

Ein höheres Zinsniveau an den globalen Rentenmärkten und die Aussicht auf weitere Leitzinsanhebungen durch die Notenbanken Fed und EZB im Kampf gegen die Inflation haben dem zinslosen Gold zuletzt zu schaffen gemacht. Gold hat sich damit von seinem August-Hoch von 4.600 USD/Unze wieder deutlich entfernt. Angesichts des Ausmaßes der Zinsanstiege hat sich der Goldpreis dennoch auf höheren Niveaus gehalten, als dies in der Vergangenheit der Fall war (siehe Grafik). Auffällig ist die hohe ETF-Nachfrage von privaten und institutionellen Anleger*innen sowie die hohe Anzahl an Kaufpositionen am Optionsmarkt. Daraus lässt sich schließen, dass Investor*innen weiterhin von steigenden Goldpreisen ausgehen. Geopolitische Konflikte, der Krieg im Nahen Osten sowie die politische Unsicherheit in den USA scheinen hierfür aktuell die wichtigsten Gründe zu sein. Als
stärkster Preistreiber dürfte allerdings auch in den kommenden Monaten die Zentralbanknachfrage fungieren. Denn Zentralbanken kaufen Gold zunehmend aus strategischen Gründen: Es ist das erklärte Ziel, ihre Abhängigkeit von klassischen Reservewährungen zu verringern und ihre Reserven in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten breiter aufzustellen. In der BTV beurteilen wir die aktuellen Preisrücksetzer bei Gold daher als kurzfristig und sehen den übergeordneten langfristigen Aufwärtstrend als intakt an.

Gold trotzt hohen US-Zinsen

Quelle: Bloomberg; Stand 01.10.2026
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Vol. 5

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  • Die verwendeten Fach- und Finanzbegriffe werden im folgenden Link ausführlich erklärt: Glossar.
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