Navigation überspringen
BTV Logo
Foto des Kapitols der Vereinigten Staaten mit überlagerten Computer-Schaltkreisen. Die Regulierung von KI wird in einer sich verändernden Welt wichtig sein.

KI-Umbruch und Impulse aus Europa

Die globalen Märkte bleiben in Bewegung: Trotz robuster Weltwirtschaft und neuen Impulsen aus Europa, etwa durch das Handelsabkommen mit Indien, sorgen geopolitische Spannungen, Unsicherheiten in der US‑Politik und rasante KI‑Entwicklungen für Turbulenzen. Lesen Sie in dieser Ausgabe des BTV Anlagekompass, wie wir diese Entwicklungen einordnen und welche Einschätzungen wir für die kommenden Wochen geben.

Marktmeinung

Konjunktur

Europas Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs

Die Eurozone zeigte zum Jahresende eine stabile Entwicklung, getragen von einer robusten Inlandsnachfrage und ersten Erholungssignalen aus Deutschland. Gleichzeitig gewinnen neue Handelspartner an Bedeutung. Welche Chancen eröffnet das neue Handelsabkommen mit Indien und warum könnte es gerade jetzt entscheidende Impulse liefern?

Wachstum in der Eurozone durch Konsum gestützt

Im vierten Quartal 2025 legte die Wirtschaftsleistung in der Eurozone gegenüber dem Vorquartal um 0,3 % zu und übertraf damit leicht die Erwartungen. Auch im Jahresvergleich zeigte sich ein solides Bild: Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt lag um 1,3 % über dem Niveau des Vorjahresquartals. Wesentlicher Wachstumstreiber war die robuste Inlandsnachfrage. Viele Haushalte erhöhten ihre Konsumausgaben zum Jahresende, was der Konjunktur zusätzlichen Schwung verlieh und zur Stabilisierung beitrug. Gleichzeitig entwickelten sich mehrere große Mitgliedstaaten stärker als prognostiziert. Spanien blieb mit einem Plus von 0,8 % gegenüber dem Vorquartal der dynamischste Wachstumstreiber der Eurozone. Frankreich legte um 0,2 % zu und blieb damit hinter dem außergewöhnlich starken Vorquartal zurück. Deutschland und Italien verzeichneten jeweils ein moderates Wachstum von 0,3 % und zeigten eine erfreulich stabile Entwicklung, obwohl strukturelle Belastungsfaktoren weiter präsent sind. Für Deutschland war das Plus zudem ein wichtiger Schritt aus der zuvor anhaltenden Schwächephase: Nach einem Rückgang im zweiten und einer Stagnation im dritten Quartal profitierte die Wirtschaft spürbar von höheren privaten und staatlichen Konsumausgaben. Belastend wirkten jedoch die höheren US‑Zölle und die schwächere Exportdynamik. Vor diesem Hintergrund gewinnen neue Impulse im Außenhandel an Bedeutung – insbesondere das jüngste Handelsabkommen –, die im folgenden Abschnitt näher betrachtet werden.

Konsum stützt das Wachstum im Euroraum

Quelle: Bloomberg; Stand 06.02.2026

Welche Vorteile bietet das Handelsabkommen mit Indien?

Die EU und Indien haben sich nach fast zwanzig Jahren Verhandlungen auf ein umfassendes Freihandelsabkommen geeinigt. Damit entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt mit Zugang zu einem Markt von nahezu zwei Milliarden Menschen. Für europäische Unternehmen eröffnet der Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen deutlich bessere Marktchancen. Für Deutschland ist die Einigung besonders wichtig, weil der Exportsektor zuletzt unter hohen US-Zöllen, einer schwächeren globalen Nachfrage und steigender Konkurrenz aus China gelitten hat. Indien war bisher ein schwer zugänglicher Markt mit sehr hohen Importzöllen auf Autos, Maschinen, Chemikalien und Pharmazeutika. Für Deutschland bietet das Abkommen somit einen deutlich erleichterten Zugang zu einem der wachstumsstärksten Märkte der Welt. Gleichzeitig stärkt die Partnerschaft mit Indien die wirtschaftliche Stabilität in einer Zeit wachsender Unsicherheit. Langfristig erwartet die EU eine deutliche Ausweitung des Handelsvolumens und zusätzliche Impulse für exportorientierte Industrien.

„Wir entscheiden uns für fairen Handel statt für Zölle. Für Partnerschaft statt Isolation.“
Ursula von der Leyen

Aktien

Aktien – Stimmung ist angeheizt

Während sich breite Aktienmarktindizes gut hielten und sich von den internationalen Turbulenzen nur wenig beeindruckt zeigten, kam es im US-Tech-Sektor im Februar zu Verwerfungen. Insbesondere die Software-Branche litt unter den schnellen Fortschritten im Bereich der künstlichen Intelligenz.

KI-Sorgen führen zu Korrektur im US-Software-Sektor

Nach einem erfreulichen Jahresstart standen im Februar US-Software-Titel im Fokus der Anleger*innen – und zwar im Verkaufsfokus. Seit dem Hoch im September musste der Sektor ein Minus von knapp 30 % hinnehmen (siehe Grafik). Der Abverkauf weitete sich auf andere datenintensive Branchen wie zum Beispiel Medien, Bildung und Dienstleistungen aus. Unter den großkapitalisierten Magnificent 7 mussten Microsoft sowie Tesla, Nvidia und Meta Verluste hinnehmen – wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß.

Dass insbesondere der Software-Sektor so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, mag auf den ersten Blick verwundern: Analyst*innen erwarten ein weiterhin steigendes Gewinnwachstum für 2026, sowohl aktuelle Margen als auch die Umsatzerwartungen an die Unternehmen stehen auf 20-Jahres-Höchstständen. Durch den Abverkauf sind die hohen Bewertungen des Sektors stark zurückgegangen. Das bedeutet, Anleger*innen gehen davon aus, dass die Erwartungen an die Unternehmen zu hoch gesteckt sind.

Die große Angst, mit der sich Softwarekonzerne aktuell konfrontiert sehen, ist, dass neue KI-Entwicklungen die klassische Unternehmenssoftware redundant machen. Bei einfachen Anwendungen bzw. wenn es darum geht, isolierte Aufgaben zu erledigen, können KI-gestützte Tools durchaus helfen. Handelt es sich aber um eine vollumfänglich genutzte Unternehmenssoftware, ist ein Austausch nicht einfach und in den seltensten Fällen von der Unternehmensspitze überhaupt gewünscht. Eine Unternehmenssoftware stellt das digitale Rückgrat eines Unternehmens dar, führt dessen operative, finanzielle und regulatorische Daten zusammen und ist in die Unternehmensprozesse integriert. Das Ziel ist es damit nicht, den Softwareanbieter zu tauschen, sondern KI-Funktionen in bestehende Software-Dienstleistungen zu integrieren.

In der BTV gehen wir davon aus, dass die jüngste Korrektur fundamental nicht gerechtfertigt ist. Dennoch kann die negative Stimmung noch weiter anhalten und weitere Rücksetzer sind nicht ausgeschlossen. Genau unter Beobachtung stehen nun die Unternehmensgewinne, gute Ergebnisse werden letztendlich für Stabilität sorgen.

Korrektur im US-Software-Sektor nach Outperformance

Quelle: Bloomberg; Stand 06.02.2026
  • Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewähr für künftige Ereignisse oder Wertentwicklungen. Wenn Finanzinstrumente in fremder Währung notieren, kann infolge von Währungsschwankungen die Rendite steigen oder fallen.

Schwellenländerbörsen bieten Diversifikation und Potenzial

In unruhigen Zeiten wie diesen bleibt Diversifikation ein wichtiger Faktor in der Portfoliokonstruktion. Auch im Aktiensegment macht es deshalb Sinn, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Die Beimischung von Schwellenländeraktien haben wir in den Asset-Management-Mandaten zuletzt daher erneut ausgeweitet. Nach BTV Einschätzung sieht der Ausblick für die Schwellenländerbörsen nach einem erfreulichen Jahresstart weiterhin gut aus. Ein robustes Weltwirtschaftswachstum, eine expansive Geldpolitik der Fed, ein schwächerer US-Dollar sowie weitere Einigungen im US-Handelskonflikt sollten die Wirtschaftsleistung in den Schwellenländern unterstützen. Trotz der jüngst guten Performance gelten Schwellenländeraktien weiterhin als vergleichsweise günstig bewertet. Ein steigendes Gewinnwachstum, gesunde Unternehmensbilanzen und Verbesserungen in der Unternehmensführung sollten zusätzlich stützen.

Schwellenländeraktien sind im Vergleich zu US-Aktien günstig bewertet

Quelle: Bloomberg; Stand 06.02.2026
  • * KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis
    Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewährfür künftige Ereignisse oder Wertentwicklungen. Wenn Finanzinstrumente in fremder Währung notieren, kann infolge von Währungsschwankungen die Rendite steigen oder fallen.

Rohstoffe

Edelmetalle geraten nach Rekordrallye unter Druck

Gold und Silber stiegen auf historische Höchststände, bevor ein unerwarteter Rücksetzer für Nervosität sorgte. Was steckt hinter dieser plötzlichen Rücksetzer und wie geht es weiter?

Gold und Silber: Höhenflug mit überraschender Wende

Die Edelmetalle Gold und Silber haben in den vergangenen Monaten außergewöhnlich stark zugelegt. Vor allem seit Jahresbeginn 2026 kannten die Preise zunächst nur eine Richtung: Gold erreichte zeitweise ein Plus von rund 25 %, während Silber um mehr als 60 % zulegen konnte. Die Feinunze Gold überschritt dabei erstmals in der Geschichte die Marke von 5.000 US-Dollar und erreichte damit ein neues Rekordniveau. Diese Entwicklung wurde von geopolitischen Spannungen, anhaltenden Zentralbankkäufen sowie der Hoffnung auf ein niedrigeres Zinsumfeld getragen. Viele Anleger*innen betrachten Gold daher weiterhin als attraktiven Schutz in unsicheren Zeiten.

Ende Januar kam es jedoch zu einer abrupten Korrektur. Gold fiel so stark wie seit 2013 nicht mehr und Silber verzeichnete sogar den größten Tagesverlust seiner Geschichte. Für diesen Rückgang gab es mehrere Gründe, doch ein Ereignis stach besonders hervor: die überraschende Nominierung des ehemaligen Fed-Gouverneurs Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank. Warsh galt in seiner Amtszeit als Gouverneur als Vertreter einer strafferen Geldpolitik. Seine jüngsten Aussagen deuten hingegen darauf hin, dass er aufgrund der Erwartung eines KI-getriebenen US-Wirtschaftswachstums und einer abnehmenden Inflation weitere US-Zinssenkungen befürwortet. Allerdings spricht er sich für eine Reduzierung der Notenbankbilanz aus – eine typisch falkenhafte Einstellung. Die Nominierung von Kevin Warsh zum Fed-Präsidenten schürte an den Märkten die Sorge, dass die bisher erwartete Lockerung der US-Geldpolitik nicht in dem Ausmaß kommen wird, wie viele es zuvor angenommen hatten. Dies führte zu einer Stimmungsumkehr am Markt, wodurch sich vor allem spekulative Anleger*innen aus Gold zurückzogen – ein Kurseinbruch von zwischenzeitlich bis zu 20 % war die Folge.

Silber traf der Kurseinbruch von Gold besonders stark, da der Silbermarkt nur einen Bruchteil des Goldmarktes ausmacht und damit weniger liquide und deutlich volatiler ist. Zudem hatten sich auch am Silbermarkt in den Wochen zuvor viele spekulative Positionen aufgebaut, deren Glattstellung den Abverkauf beschleunigte.

Quelle: Bloomberg; Stand 06.02.2026

Langfristige Treiber stützen weiterhin den Goldpreis

Trotz der starken Schwankungen des Goldpreises in den vergangenen Wochen spricht vieles dafür, dass die langfristigen Treiber wie die Uneinschätzbarkeit der US-Politik, die angespannte geopolitische Lage oder der Wunsch, sich vom US-Dollar unabhängiger zu machen, das gelbe Edelmetall weiterhin unterstützen werden. Anleger*innen dürften den Rücksetzer tendenziell als Kaufgelegenheit nutzen, was schnelle Erholungen begünstigt. Auch während der letzten Korrekturbewegungen nutzten Zentralbanken das niedrigere Preisniveau für Zukäufe. Der Goldpreis wird deshalb nach BTV Einschätzung auch weiterhin durch eine strukturell höhere Nachfrage von Zentralbanken sowie institutionellen und privaten Investor*innen gut unterstützt bleiben. Im Gegensatz zu Gold fehlt bei Silber der Unterstützungseffekt, weil Zentralbanken es nicht als Reserve halten. Dadurch ist Silber anfälliger für stärkere Schwankungen und auch für tiefere Korrekturen als Gold. Vor diesem Hintergrund bleibt Gold aus BTV Sicht ein zentraler Bestandteil der Rohstoffallokation und erfüllt seine Rolle als Absicherungsinstrument in einem von politischen und geldpolitischen Risiken geprägten Umfeld.

Gold bleibt unterstützt durch Zentralbankkäufe

Quelle: Bloomberg; Stand 06.02.2026

Währungen

US-Dollar-Schwäche – ein kurzes Tief oder neuer Trend?

Seit Jahresanfang zeigt sich der US-Dollar von seiner schwachen Seite. Zurückzuführen ist dies hauptsächlich auf die unklare US-Politik von Donald Trump, dem ein schwächerer US-Dollar sogar in die Karten zu spielen scheint. Warum wir in der BTV eine weitere Abwertung, aber keinen Absturz erwarten, lesen Sie im folgenden Artikel.

Welche Rolle spielt Trump bei der USD-Abwertung?

Der US-Dollar hat seit Jahresanfang gegenüber sämtlichen G10-Währungen abgewertet. Verantwortlich für diese Entwicklung ist vor allem die US-Politik von Präsident Trump. Ein turbulenter Jahresstart mit dem US-Angriff auf Venezuela, militärischen Drohungen gegenüber dem Iran und territorialen Ansprüchen auf Grönland ließ die Unsicherheit unter Marktteilnehmer*innen deutlich ansteigen. Die schwindende Verlässlichkeit der US-Politik sowie Sorgen über die Unabhängigkeit der Fed setzen dem US-Dollar seit Jahresanfang deutlich zu. Zuletzt sorgten Spekulationen über einen Eingriff der US-Notenbank am Devisenmarkt für zusätzliche Aufregung. Offenbar hat sich die japanische Regierung Ende Januar an die USA gewandt, um Maßnahmen zur Stützung des stark unterbewerteten Yen zu besprechen. Nachdem sich die US-Notenbanker*innen daraufhin im Zuge sogenannter „Rate Checks“ bei den Geschäftsbanken nach dem USD/JPY-Wechselkurs erkundigt hatten, wertete der Yen gegenüber dem US-Dollar deutlich auf. Denn die „Rate Checks“ wurden als Vorstufe zu einer Devisenmarktintervention der Fed gewertet, ein äußerst selten gewählter Schritt. Auch wenn reale Interventionen der Notenbank ausblieben, schickte Donald Trump den US-Dollar erneut auf Talfahrt, da er die US-Dollar-Schwäche als großartig bezeichnete. Der US-Präsident erhofft sich durch eine schwächere Währung Vorteile im Exportgeschäft, woraus ein abnehmendes Handelsbilanzdefizit und damit auch ein höheres Wirtschaftswachstum resultieren. Dies soll die negativen Effekte aus dem Handelskonflikt zumindest dämpfen – so die Einschätzung des Präsidenten.

US-Dollar hat zuletzt nicht nur gegenüber dem Euro abgewertet

Quelle: Bloomberg; Stand 06.02.2026

Steht ein USD-Absturz bevor?

Ein Absturz des US-Dollars steht uns nach BTV Einschätzung nicht bevor, denn dafür erhält dieser zu viel Unterstützung durch seine Rolle als Weltreservewährung und seine hohe Liquidität. Zentralbanken und internationale Institutionen halten hohe US-Dollar-Bestände als Währungsreserven sowie für Finanztransaktionen. Auch Unternehmen setzen aufgrund seiner zentralen Bedeutung im internationalen Handel verstärkt auf den US-Dollar. Die Tatsache, dass Rohstoffe in US-Dollar notieren, unterstützt dies zusätzlich. Aber auch wenn wir keinen Absturz des US-Dollars prognostizieren, sehen wir eine weitere Abschwächung dennoch als wahrscheinlich an. Die Unsicherheit rund um Donald Trumps Politik hält an, das US-Zahlungsbilanzdefizit und auch das Haushaltsdefizit sind zuletzt weiter angestiegen, zusätzlich dazu wächst die US-Staatsverschuldung (siehe Grafik). Große Volkswirtschaften, vor allem die Schwellenländer, wollen sich zusehends vom US-Dollar unabhängiger machen. Zentralbanken reduzieren demnach ihre US-Dollar-Reserven, das US-Dollar-Risiko wird vermehrt abgesichert und es erfolgen weniger Zuflüsse in USD-Vermögenswerte durch ausländische Investor*innen. Donald Trump sollte seine Worte demnach bewusst wählen, da sich ein hoher Anteil an US-Vermögenswerten in der Hand ausländischer Anleger*innen befindet. Der fiskalische Spielraum der USA könnte sich einengen, wenn sich diese Geldgeber*innen zurückziehen, was nicht Trumps Absicht sein dürfte. In der BTV gehen wir im Jahr 2026 daher nur von einer leichten weiteren Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro aus.

US-Staatsverschuldung hat deutlich zugelegt

Quelle: Bloomberg; Stand 06.02.2026

Vol. 2

Download BTV Anlagekompass

Die gesamte Ausgabe steht Ihnen auch als PDF zur Verfügung.

Zum Newsletter anmelden

Möchten Sie laufend Insights zu den aktuellen Entwicklungen auf den Kapitalmärkten erhalten? Melden Sie sich gleich für den BTV Anlagekompass an.

  • Experteneinschätzung & Anlagemeinung
  • Kapitalmärkte im Blick
  • Regelmäßige Insights in die verschiedenen Assetklassen